Potrait: Koch des Jahres 2017 Jan Pettke

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Leonie. Kommunikationsmanagerin bei Koch des Jahres. Schreiben finanziert „mein täglich Brot“ für den Magen. Die Liebe zum Kochen garantiert „mein täglich Brot“ für die Seele. Das zu mir, weil um mich soll es hier nicht gehen.

Koch des Jahres 2017 Jan Pettke: Wie man den Boden nicht verliert, obwohl man den Sternen so nah ist

Ich war überrascht. Überrascht darüber wie der Titel Koch des Jahres jemanden beeinflussen kann. Ich spreche über Jan Pettke – Küchenchef der Scheck-In Kochfabrik im badischen Achern und Koch des Jahres 2017. Nicht nur trägt Jan den amtieren Titel, sondern bei unserem ersten Vorfinale Mitte Juni in Bremerhaven nahm er Platz an der Jurytafel, neben Spitzen- und Sterneköchen wie Sebastian Frank, Yoshizumi Nagaya oder Maria Groß.

Als ich ihn das erste Mal „treffe“, ist am Telefon. Man rechnet mit höflichen Small-Talk, um schnell zum Wesentlichen zu kommen. Dann hört man die Frage: „Na, wie geht’s dir im neuen Beruf?“ Und man merkt gleich, dass dies ernst gemeint war. Und dazu noch eine sympathisch-ehrliche Antwort auf die Frage nach seiner brandneuen Jurymitgliedschaft. „Mmmh, ja wie ich das mache, weiss ich noch gar nicht so genau – aber das wird schon werden.“

Nur wenige Tage darauf steht Jan dann auf einer Küchenparty vor mir. Es gibt sogleich eine Umarmung von ihm, wie auch seinem Sous-Chef Maximilian Krämer.  Auch wenn man ihm den Stolz der Kochjacke ansieht, spürt man sofort den Menschen Jan Pettke. Er erzählt mir von seiner kleinen Familie und wie rar der Schlaf geworden ist. Den Abend über sehe ich Jan immer wieder im Gespräch mit den verschiedensten Persönlichkeiten: Sterneköche wie Daniel Dal-Ben* oder Christian Sturm-Willms*, Fernsehkoch Tim Raue oder auch ganz „unberühmten“ Menschen, wie ich einer bin. Man merkt Jan in jedem Gespräch eines an – nämlich nichts. Dieses Gefühl bestätigt mir 2-Sterne Koch Sebastian Frank nur wenig später in einem Gespräch. Er durfte Jan als Teilnehmer kennenlernen und bei dem letzten Vorfinale in Bremerhaven neben ihm in der Jury sitzen: „Zwischen Jan dem Menschen, Jan dem Gewinner und Jan dem Juror gibt es keine Unterschiede. Er begrüßt einen stets mit einem großen Lächeln. Er ist immer freundlich, egal ob da ein Sterne- oder ein Hobbykoch vor ihm steht.“

Montagmorgen – Mitte Juni 2018 – Bremerhaven – Wettbewerbstag – für Jan quasi erster Juryschultag. Er kommt äußerlich unaufgeregt in Jeans und mit Cap, an der Hand seine Frau. Jan reiht sich am Jurytisch neben den Sterneköchen Christian Sturm-Willms* und 3-Sternekoch Dieter Müller ein. Als ich so dastehe und Jan und die anderen neun Juroren beobachte, stellt sich Sous-Chef der Scheck-In Kochfabrik und somit Jans bessere Hälfte, Maximilian Krämer, neben mich. „Na, hat er sich irgendwie darauf vorbereitet?“, frage ich. Max antwortet: „Seine Vorbereitung bestand darin, dass er sich die Vorstellung der einzelnen Kandidaten angeschaut hat, um das Feld besser einschätzen zu können. Fragen wie: “ Wie gehen die Kandidaten mit den Pflichtaufgaben und -komponenten um?” oder “ Was bringen die Kandidaten auf den Teller im Vergleich zu mir?” hat er sich gestellt.“ Wir schauen durch die Reihen und unterhalten uns über die Köche und deren Michelin-Auszeichnungen. Ich frage sehr direkt, ob Max denkt, dass Jan auch gerne um einen Stern kochen wollen würde. Seine Antwort bestätigt das gesamte Bild, welches ich mir von unserem Koch des Jahres schon gemacht hatte: „Wir haben in letzter Zeit auch dieses Thema diskutiert und festgestellt, dass das Hinterherrennen hinter Auszeichnungen und Anerkennungen von internationalen Führern zwar ein Traum für viele ist, aber nicht unbedingt Jans Traum. Er möchte im Rahmen der Scheck-in Kochfabrik einen großartigen Job machen – was er definitiv tut – und die Menschen, die zu uns kommen glücklich machen. Was sich natürlich sehr in der Zufriedenheit unserer Gäste widerspiegelt. Dass er ein großartiger Koch und Mensch ist, für den der Griff nach den Sternen ein leichtes wäre bezweifelt niemand, aber sehr wichtig ist ihm neben der Arbeit auch, dass er seine Kinder aufwachsen sieht und er mit seinem Motorrad durch den Schwarzwald düsen kann.“

Als der Live-Wettbewerb vorbei und die Küchenparty in vollem Gang war. Haben Jan und ich noch einen kurzen Moment um über seine neue Aufgabe zu sprechen: „Ich muss zugeben, als ich in den Juryraum reinging, habe ich schon gemerkt wie mein Herz auf einmal schneller schlägt. Da sitzt man neben so einer unglaublichen Persönlichkeit wie Dieter Müller und dann sagt man mir auch noch, dass ich mir die Wettbewerbs-Teller mit ihm teile – da habe ich mir nur gedacht: Jan, jetzt reißt dich zusammen! Aber dann hört man das schöne, laute Lachen von Maria Groß und spürt die familiäre Stimmung, die auch im Juryraum besteht und schon habe ich gemerkt: Alle die da sitzen kochen auch nur mit Wasser. Sehr leckerem Wasser, aber Wasser.“ Wir lachen uns beide zustimmend an. Dann gibt es nochmal eine Umarmung und er geht wieder in T-Shirt und Cap, mit seiner Frau an der Hand, nach Hause, weil am nächsten Tag laufen die Töpfe in Achern wieder heiß.

Also, im Kurzen: Ich war überrascht, dass der amtierende Koch des Jahres nicht die Nase arrogant im Himmel trägt, sondern, dass ein so prestigeträchtiger Titel Jan zwar unglaublich stolz macht, aber er ihn nicht vergessen hat lassen, woher er kommt. Und vor allem, um was es sich in der Gastronomie und im Allgemeinen geht: ein respektvolles und unglaublich freundliches Miteinander.

Die letzten Zeilen werden sich für den ein oder anderen wahrscheinlich wie eine Ode an Jan Pettke anhören, dazu brauche ich nicht viel sagen, außer: Warum überzeugen Sie sich denn nicht einfach selbst? https://www.scheck-in-kochfabrik.de/